Mitten im Dreißigjährigen Krieg, 1638, wurde der
Dachdeckerbetrieb Lehna gegründet, der am 12. August in
Aull auf ein 350jähriges Bestehen zurückblicken kann.
Das traditionsreiche Familienunternehmen zählt damit zu
den ältesten im Kammerbezirk Koblenz, wenn nicht sogar
zu einem der ältesten Handwerksbetriebe in Deutschland.
Durch Fleiß und solides handwerkliches Können hat sich'
die Firma Lehna zu einem der führenden Unternehmen im
heimischen Dachdeckerhandwerk entwickelt Die Arbeiten
reichen von Kircheneindeckungen in Bayern bis nach
Holland. Sie geben Zeugnis von der Leistungsfähigkeit
dieses Handwerksbetriebes.
Seitdem es menschliche Behausungen gibt, werden
Dachdecker- oder Leyendecker, wie sie sich früher
nannten, benötigt, die die Bewohner und Einrichtungen
vor den Unbilden der Witterung schützen. Einer davon war
Johann Lehna in Klingelbach bei Katzenelnbogen. Wie die
Familienchronik ausweist, gründete er 1638 ein
Dachdeckergeschäft, das bis heute in 17 Generationen
immer wieder vom Vater auf den Sohn überging,
Familienbesitz verblieb und alle Zeitläufe unbeschadet
überstanden hat.
150 Jahre wohnte das Dachckergeschlecht der Lehnas im
alten Esterau-Städtchen. Holzappel. Ein Johann Anton
Lehna, 1783 in Holzappel geboren, wurde 1818 im Alter von
35 Jahren Opfer seines Berufes, er stürzte vom Dach. Von
den sechs Kindern wurde der älteste, Philipp Heinrich
geb. 1806, ebenfalls Dachdecker. Er erlernte das Handwerk
bei seinem Stiefvater Heidenreich, den die junge Witwe
geheiratet hatte. Nach der Lehre ging Philipp Heinrich
fünf Jahre auf Wanderall und übemahm bei seiner
Rückkehr 1828 das Lehnasche Dachdeckergeschäft.
Philipp Lehna hatte elf Kinder. Vier davon, Karl,
Friedrich, Heinrich-Wilhelm und Ernst, erlernten beim
Vater das Dachdeckerhandwerk. Ernst wurde jedoch Bergmann
und betätigte sich in der Schiefergrube Fels in
Nentershausen, die später in Familienbesitz kam. Zu der
damaligen Zeit wurden die Dächer ausschließlich mit
Schiefer gedeckt. Falzziegel und die vielen anderen heute
gebräuchlichen Materialien kamen erst später, zum Teil
erst in diesem Jahrhundert auf. Größere Dacharbeiten
wurden damals von den Lehnas an der Schule in Holzappel
und am Schloß Schaumburg ausgeführt.
Im Jahre 1866 übernahm der älteste Sohn
Heinrich-Wilhelm, geb. 1840 in Holzappel, den
väterlichen Betrieb. Von größeren Arbeiten aus dieser
Zeit seien erwähnt die Deckung der Aufbereitungsanlage
der Blei- und Erzgruben in Laurenburg und der
katholischen Kirche in Holzappel.
In der nächsten Generation wurde das Dachdeckerhandwerk
von den Brüdern Karl und Ludwig Lehna erlernt und
ausgeübt. Beide erwarben sich als Gesellen in Limburg,
Wiesbaden und Bergneustadt gute fachliche Kenntnisse und
Fertigkeiten. 
Ab 1904 führte Karl den Betrieb in Holzappel weiter,
während sein Bruder Ludwig in Horhausen ein
Dachdeckergeschäft gründete. Beide Betriebe
überstanden sowohl die schweren Zeiten des 1.
Weltkrieges als auch die Wirren der folgenden Inflation.
Aus dieser Zeit vermerken die Geschäftsbücher heute
kaum faßbare Preise: So kostete 1 Pfund Decknägel im
Jahre 1923 immerhin 200 000,- Mark und 1 m² Dachschiefer
sogar 8,5 Millionen Mark. Demgegenüber bewegten sich 10
Jahre später die Kosten nach unseren heutigen
Maßstäben lediglich in Trinkgeldhöhe, 1 Pfund
Decknägel kostete jetzt nur noch 0,20 Reichsmark, 1
Meisterstunde wurde allgemein mit 0,90 Reichsmark und 1
m² Schieferdeckung (einschließlich Material und
Arbeitslohn) mit 4,50 Reichsmark berechnet.
Meister Karl war aber nicht nur ein guter Dachdecker,
sondern auch ein geschickter Zeichner. Deshalb wurde er
von der gewerblichen Berufsschule in Holzappel
beauftragt, allen Handwerkslehrlingen Zeichenunterricht
zu erteilen. 36 Jahre lang haben ganze Generationen von
Handwerkslehrlingen bei ihm das Zeichnen erlernt. Die
Chronik verzeichnet als weitere Inhaber des
traditionsreichen Familienbetriebes Adolf und Fritz
Lehna. Der letztere, 1907 in Horhausen geboren, hat nicht
nur den eigenen Betrieb zu großer Blüte geführt, er
hat sich mit großem Einsatz auch ehrenamtlich in der
Handwerksorganisation betätigt. Die heimischen
Dachdeckermeister wählten in 1945 zu ihrem Obermeister.
25 Jahre stand Fritz Lehna - vom Vertrauen der Kollegen
getragen - an der Spitze der Dachdeckerinnung des
damaligen Unterlahn- und späteren Rhein-Lahn-Kreises.
Diesen engagierten Verfechter für das Handwerk wählten
die heimischen Handwerksmeister aller lnnungen 1954
außerdem zum Kreishandwerksmeister. Seiner Umsicht und
seinem Einsatz war es zu verdanken, daß nach der
Zusammenlegung der beiden Kreise im Jahre 1969 auch die
beiden Kreishandwerkerschaften fusioniert en. Der Dank
des Handwerks für die Pionierleistung: Fritz Lehna wurde
von der Vollversammlung 1970 auch zum
Kreishandwerksmeister des Rhein-Lahn-Kreises gewählt.
Die dankbaren Handwerksmeister ernannten Fritz Lehna, der
Jahrzehnte lang die Kreishandwerkerschaft in Diez
geprägt hat, für seine Verdienste um das Handwerk 1973
zum Ehren-Kreishandwerksmeister auf Lebenszeit.
Das heutige Dachdeckergeschäft Lehna in Aull, Koblenzer
Straße 12, wurde 1965 von Meister Theo Lehna gegründet
und nach dem Tode des Vaters mit dem elterlichen Betrieb
vereint.
Seit zwei Jahren firmiert es Firma Lehna und Sohn. Theo
Lehna hat in seinem nun mehr 26jährigen Sohn Holger eine
tatkräftige Hilfe, der nach dem Besuch der
Bundesfachschule für das Dachdeckerhandwerk in Mayen die
Meisterprüfung bestanden hat. Auch der zweite Sohn
Jörg, der eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen
hat, hilft im Bedarfsfall mit.
In der Wiederaufbauphase nach 1945 hatten 30 Mitarbeiter
alle Hände voll zu tun, um die Kriegsschäden zu
beseitigen und viele Neubauten einzudecken. So arbeitete
Theo Lehna einmal drei Jahre ununterbrochen in Holland.
Von den vielen Kirchen und Verwaltungsbauten dort
erinnert er sich vor allem an einen 70 m hohen Sendeturm
in Hilversum, der nur mit einem in der Spitze
eingehangenen Flaschenzug eingedeckt werden konnte.
Aus der Vielzahl der größeren Aufträge nach dem Kriege
sind besonders zu erwähnen: Kirche in Krefeld,
Fabrikanlagen im Ruhrgebiet, Kasernenbauten in Koblenz,
das Kloster Marienstadt bei Hachenburg, Schloß Diez,
Kirche in Freiendiez, Kirche St. Peter in Diez, Sanierung
des alten Rathauses in Limburg, Pestalozzi-Gymnasium
Idstein etc.
Heute zählt der Betrieb 10 Beschäftigte. Für das gute
Betriebsklima spricht die lange Zugehörigkeit der
Mitarbeiter. So ist Klaus Hochmann dem Betriebe seit 22
Jahren in Treue verbunden, sein Bruder Hans ebenfalls
schon über 10 Jahre. Dessen Sohn Thomas hat bei Meister
Lehna ebenfalls das Dachdeckerhandwerk erlernt und
arbeitet seit zwei Jahren als Geselle im Betrieb.
Der gute Geist und eine tatkräftige, unentbehrliche
Stütze des Meisters ist Ehefrau Ulrike, die für die
kaufmännische Abwicklung und die unvermeidlichen
Büroarbeiten zuständig ist.
Das Dachdeckergeschäft Lehna ist mit 5 Fahrzeugen, allen
Maschinen und Geräten eines modernen Unternehmens
ausgestattet. Zur Leistungspalette des zuverlässigen
Partners für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik zählen
auch alle Klempnerarbeiten, Isolierungen und der
Gerüstbau.
Die zunehmenden Aufträge aus Hessen, insbesondere im
Rheingau-Taunus-Kreis, veranlaßten Theo Lehna im Jahre
1983, einen Zweigbetrieb in Idstein/Taunus zu gründen,
der sich innerhalb weniger Jahre erfreulich entwickelt
hat.
Das Familienunternehmen mit der nunmehr 350jährigen
Tradition zeichnet sich durch eine junge, dynamische
Mannschaft aus, die sich mit gutem handwerklichen Können
bemüht, alle Aufträge zur Zufriedenheit des
Auftraggebers auszuführen. Das wissen viele zufriedene
Kunden zu schätzen, die dem Betrieb seit Jahrzehnten die
Treue bewahrt haben.
|