Koblenzer Straße 12
65582 Aull über Diez/Lahn
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Mitten im Dreißigjährigen Krieg, 1638, wurde der Dachdeckerbetrieb Lehna gegründet, der am 12. August in Aull auf ein 350jähriges Bestehen zurückblicken kann. Das traditionsreiche Familienunternehmen zählt damit zu den ältesten im Kammerbezirk Koblenz, wenn nicht sogar zu einem der ältesten Handwerksbetriebe in Deutschland. Durch Fleiß und solides handwerkliches Können hat sich' die Firma Lehna zu einem der führenden Unternehmen im heimischen Dachdeckerhandwerk entwickelt Die Arbeiten reichen von Kircheneindeckungen in Bayern bis nach Holland. Sie geben Zeugnis von der Leistungsfähigkeit dieses Handwerksbetriebes.
Seitdem es menschliche Behausungen gibt, werden Dachdecker- oder Leyendecker, wie sie sich früher nannten, benötigt, die die Bewohner und Einrichtungen vor den Unbilden der Witterung schützen. Einer davon war Johann Lehna in Klingelbach bei Katzenelnbogen. Wie die Familienchronik ausweist, gründete er 1638 ein Dachdeckergeschäft, das bis heute in 17 Generationen immer wieder vom Vater auf den Sohn überging, Familienbesitz verblieb und alle Zeitläufe unbeschadet überstanden hat.
150 Jahre wohnte das Dachckergeschlecht der Lehnas im alten Esterau-Städtchen. Holzappel. Ein Johann Anton Lehna, 1783 in Holzappel geboren, wurde 1818 im Alter von 35 Jahren Opfer seines Berufes, er stürzte vom Dach. Von den sechs Kindern wurde der älteste, Philipp Heinrich geb. 1806, ebenfalls Dachdecker. Er erlernte das Handwerk bei seinem Stiefvater Heidenreich, den die junge Witwe geheiratet hatte. Nach der Lehre ging Philipp Heinrich fünf Jahre auf Wanderall und übemahm bei seiner Rückkehr 1828 das Lehnasche Dachdeckergeschäft.
Philipp Lehna hatte elf Kinder. Vier davon, Karl, Friedrich, Heinrich-Wilhelm und Ernst, erlernten beim Vater das Dachdeckerhandwerk. Ernst wurde jedoch Bergmann und betätigte sich in der Schiefergrube Fels in Nentershausen, die später in Familienbesitz kam. Zu der damaligen Zeit wurden die Dächer ausschließlich mit Schiefer gedeckt. Falzziegel und die vielen anderen heute gebräuchlichen Materialien kamen erst später, zum Teil erst in diesem Jahrhundert auf. Größere Dacharbeiten wurden damals von den Lehnas an der Schule in Holzappel und am Schloß Schaumburg ausgeführt.
Im Jahre 1866 übernahm der älteste Sohn Heinrich-Wilhelm, geb. 1840 in Holzappel, den väterlichen Betrieb. Von größeren Arbeiten aus dieser Zeit seien erwähnt die Deckung der Aufbereitungsanlage der Blei- und Erzgruben in Laurenburg und der katholischen Kirche in Holzappel.
In der nächsten Generation wurde das Dachdeckerhandwerk von den Brüdern Karl und Ludwig Lehna erlernt und ausgeübt. Beide erwarben sich als Gesellen in Limburg, Wiesbaden und Bergneustadt gute fachliche Kenntnisse und Fertigkeiten.

Ab 1904 führte Karl den Betrieb in Holzappel weiter, während sein Bruder Ludwig in Horhausen ein Dachdeckergeschäft gründete. Beide Betriebe überstanden sowohl die schweren Zeiten des 1. Weltkrieges als auch die Wirren der folgenden Inflation.
Aus dieser Zeit vermerken die Geschäftsbücher heute kaum faßbare Preise: So kostete 1 Pfund Decknägel im Jahre 1923 immerhin 200 000,- Mark und 1 m² Dachschiefer sogar 8,5 Millionen Mark. Demgegenüber bewegten sich 10 Jahre später die Kosten nach unseren heutigen Maßstäben lediglich in Trinkgeldhöhe, 1 Pfund Decknägel kostete jetzt nur noch 0,20 Reichsmark, 1 Meisterstunde wurde allgemein mit 0,90 Reichsmark und 1 m² Schieferdeckung (einschließlich Material und Arbeitslohn) mit 4,50 Reichsmark berechnet.
Meister Karl war aber nicht nur ein guter Dachdecker, sondern auch ein geschickter Zeichner. Deshalb wurde er von der gewerblichen Berufsschule in Holzappel beauftragt, allen Handwerkslehrlingen Zeichenunterricht zu erteilen. 36 Jahre lang haben ganze Generationen von Handwerkslehrlingen bei ihm das Zeichnen erlernt. Die Chronik verzeichnet als weitere Inhaber des traditionsreichen Familienbetriebes Adolf und Fritz Lehna. Der letztere, 1907 in Horhausen geboren, hat nicht nur den eigenen Betrieb zu großer Blüte geführt, er hat sich mit großem Einsatz auch ehrenamtlich in der Handwerksorganisation betätigt. Die heimischen Dachdeckermeister wählten in 1945 zu ihrem Obermeister. 25 Jahre stand Fritz Lehna - vom Vertrauen der Kollegen getragen - an der Spitze der Dachdeckerinnung des damaligen Unterlahn- und späteren Rhein-Lahn-Kreises.
Diesen engagierten Verfechter für das Handwerk wählten die heimischen Handwerksmeister aller lnnungen 1954 außerdem zum Kreishandwerksmeister. Seiner Umsicht und seinem Einsatz war es zu verdanken, daß nach der Zusammenlegung der beiden Kreise im Jahre 1969 auch die beiden Kreishandwerkerschaften fusioniert en. Der Dank des Handwerks für die Pionierleistung: Fritz Lehna wurde von der Vollversammlung 1970 auch zum Kreishandwerksmeister des Rhein-Lahn-Kreises gewählt. Die dankbaren Handwerksmeister ernannten Fritz Lehna, der Jahrzehnte lang die Kreishandwerkerschaft in Diez geprägt hat, für seine Verdienste um das Handwerk 1973 zum Ehren-Kreishandwerksmeister auf Lebenszeit.
Das heutige Dachdeckergeschäft Lehna in Aull, Koblenzer Straße 12, wurde 1965 von Meister Theo Lehna gegründet und nach dem Tode des Vaters mit dem elterlichen Betrieb vereint.
Seit zwei Jahren firmiert es Firma Lehna und Sohn. Theo Lehna hat in seinem nun mehr 26jährigen Sohn Holger eine tatkräftige Hilfe, der nach dem Besuch der Bundesfachschule für das Dachdeckerhandwerk in Mayen die Meisterprüfung bestanden hat. Auch der zweite Sohn Jörg, der eine kaufmännische Ausbildung abgeschlossen hat, hilft im Bedarfsfall mit.
In der Wiederaufbauphase nach 1945 hatten 30 Mitarbeiter alle Hände voll zu tun, um die Kriegsschäden zu beseitigen und viele Neubauten einzudecken. So arbeitete Theo Lehna einmal drei Jahre ununterbrochen in Holland.
Von den vielen Kirchen und Verwaltungsbauten dort erinnert er sich vor allem an einen 70 m hohen Sendeturm in Hilversum, der nur mit einem in der Spitze eingehangenen Flaschenzug eingedeckt werden konnte.
Aus der Vielzahl der größeren Aufträge nach dem Kriege sind besonders zu erwähnen: Kirche in Krefeld, Fabrikanlagen im Ruhrgebiet, Kasernenbauten in Koblenz, das Kloster Marienstadt bei Hachenburg, Schloß Diez, Kirche in Freiendiez, Kirche St. Peter in Diez, Sanierung des alten Rathauses in Limburg, Pestalozzi-Gymnasium Idstein etc.
Heute zählt der Betrieb 10 Beschäftigte. Für das gute Betriebsklima spricht die lange Zugehörigkeit der Mitarbeiter. So ist Klaus Hochmann dem Betriebe seit 22 Jahren in Treue verbunden, sein Bruder Hans ebenfalls schon über 10 Jahre. Dessen Sohn Thomas hat bei Meister Lehna ebenfalls das Dachdeckerhandwerk erlernt und arbeitet seit zwei Jahren als Geselle im Betrieb.
Der gute Geist und eine tatkräftige, unentbehrliche Stütze des Meisters ist Ehefrau Ulrike, die für die kaufmännische Abwicklung und die unvermeidlichen Büroarbeiten zuständig ist.
Das Dachdeckergeschäft Lehna ist mit 5 Fahrzeugen, allen Maschinen und Geräten eines modernen Unternehmens ausgestattet. Zur Leistungspalette des zuverlässigen Partners für Dach-, Wand- und Abdichtungstechnik zählen auch alle Klempnerarbeiten, Isolierungen und der Gerüstbau.
Die zunehmenden Aufträge aus Hessen, insbesondere im Rheingau-Taunus-Kreis, veranlaßten Theo Lehna im Jahre 1983, einen Zweigbetrieb in Idstein/Taunus zu gründen, der sich innerhalb weniger Jahre erfreulich entwickelt hat.
Das Familienunternehmen mit der nunmehr 350jährigen Tradition zeichnet sich durch eine junge, dynamische Mannschaft aus, die sich mit gutem handwerklichen Können bemüht, alle Aufträge zur Zufriedenheit des Auftraggebers auszuführen. Das wissen viele zufriedene Kunden zu schätzen, die dem Betrieb seit Jahrzehnten die Treue bewahrt haben.